D-Dortmund
Masterplanung Westfalenhütte

städtebauliches kooperatives Verfahren 2006 Anerkennung
Größe: 475,0 ha
Auftraggeber: Thyssen Krupp |  Stadt Dortmund

Programm

Konversionsfläche eines Stahlwerks und der grössten Kokerei Europas
Strukturplanung, Masterplanung, Freiraumplanung, Verkehrsplanung mit Gleisanbindungen, Stadterweiterung der Dortmunder Nordstadt, Logistik, Dienstleistung, Gewerbe

Städtebauliches Konzept | Nach dem Rückbau des Stahlwerks Hoesch und der Demontage der ehemals größten Kokerei Europas (Kaiserstuhl) sollen die freiwerdenden Brachflächen mit einer neuen Nutzung städtebaulich strukturiert werden. Die Kernidee des Entwurfes ist, die landschaftlichen Voraussetzungen als besondere Standortqualität für einen nachhaltigen Strukturwandel zu begreifen und damit die neuentwickelten Gebiete und den Bestand des Borsigplatzviertels aufzuwerten.

Ziel ist eine städtebauliche Leitidee zu formulieren, die in Ihrer Umsetzung dem Plangebiet ein markantes und eigenständiges Profil verleiht. Ein starkes Sujet als Leitbild, das sich räumlich wie bildlich sehr eingängig manifestiert. Die Begabungen des Ortes, sowie freiräumliche und städtebauliche Strukturen als gegebene Voraussetzungen mit besonderer Standortqualität zu begreifen, ließen schnell die Idee einer großen, das Areal in zwei Teile aufspaltenden Parkstruktur entstehen. Ein neuer Grünzug verbindet den bestehenden Hoeschpark mit dem Fredenbaumpark und teilt das Planungsgebiet in zwei Bereiche. Diese neue Parkstruktur aus Hoesch- und Waldpark wird Teil einer durchgehenden Grünverbindung, die Fredenbaumpark über den Nordfriedhof, Hoeschpark und Ostfriedhof bis hin zum Landschaftskreuz von Phoenix West reicht (link// Phoenix West) und sich in das radialkonzentrische Freiraummodell von Dortmund einfügt. Damit sind alle attraktiven innerstädtischen Grünräume miteinander verknüpft und bieten für die angrenzenden Bereiche, eine deutliche Steigerung der städtischen Attraktivität. Im Nordosten, jenseits des Parks, entstehen neue Flächen für ein Logistik- und Gewerbegebiet und im Südwesten, diesseits des Parks, wird die Nordstadt mit weiteren Flächen für Wohnen- und Dienstleistungen komplettiert. In jedem der Gebiete bilden markante Bauten des Stahlwerks ThyssenKrupp wichtige städtebauliche Landmarken, die dem Gebiet eine eigene Identität verleihen.

Freiraumkonzept – Waldpark | Ein großzügiger Grünzug bildet zukünftig die stadträumliche Zäsur zwischen der erweiterten Nordstadt und den neuen, großflächigen Gewerbegebieten. Als Waldpark greift er die dicht bestandenen Grünstrukturen der Umgebung auf, schafft angemessen raumwirksames Großgrün und kann so gegenüber dem entstehenden Maßstabsprung innerhalb des Bearbeitungsgebietes bestehen. Das Bild eines Waldes mit dichten Bosketten, wechselnden Pflanzthemen, langen „Jagd“-Schneisen und sonnigen Lichtungen ermöglicht prägnante Bilder für die zukünftigen Nutzer zu entwickeln. Mittig im Wald, in einer wechselnden Raumfolge von Lichtungen, verläuft der „grüne“ Broadway, der übergeordnet und verbindende Fuß- und Radweg.

Wallanlage | Nach Westen bildet ein in Hochlage geführter Wallweg den Abschluss des Waldparks. Er schirmt Lärm ab, verknüpft auf direktem Wege die westlichen Zugänge aus der Nordstadt mit den Grünbereichen im Norden und bietet entlang des Weges einen weiten Blick entlang den Sichtschneisen in die Tiefe des Waldparks.

Retention | In direkter Nähe zu den Gewerbegebieten finden sich in die Boskette des Waldparks eingestreut kleinere Waldseen. Sie sind durch ein Grabensystem miteinander verknüpft und entwickeln so ausreichend Retentionsraum für das anfallende Niederschlagswasser. Durch die naturnahe Ausgestaltung und ihre zurückhaltende landschaftliche Integration werden sie mit ihrem spiegelnden Wasser zu einem besonderen Anziehungspunkt innerhalb des neuen Waldparks.

Brücke | Ausgehend von den Wegebeziehungen und dem Verlauf des Grünzugs zum Fredenbaum legt sich die Brücke deutlich über die indifferente Situation aus Straße und Gleisanlagen. Der Winkel verbindet die beiden Teile des Grünzuges in idealer Weise und schafft einen attraktiven Gestaltungsraum in der Parkanlage.

Nutzungskonzept – Logistik/ Gewerbe | Mittel- und Bezugspunkt des Logistik- und Gewerbegebiets sind die verbleibenden Veredelungsanlagen. Um eine dreieckige Erschließungsstraße, die direkt um das Werksgelände gelegt wird, beziehen sich die drei Teilgebiete mit ihrer linearen Parzellenstruktur orthogonal auf die Schenkel des Dreiecks. Durch die Proportion der Parzellen richten sich alle Büroflächen zur alleeartigen Erschließungsstraße aus und geben dem Gebiet ein städtebauliches Gesicht. Durch Lage und Art der Erschliessung ist es möglich die bestehenden Gleise kreuzungsfrei auf die Grundstücke der Logistikunternehmen zu verlängern. Alle drei Teilgebiete funktionieren unabhängig voneinander und werden nacheinander erschlossen und vermarktet.

Wohnen/ Dienstleistung/ Forschung | Die Nordstadt erweitert sich nach und nach zum Grünzug. Neuer Kernpunkt wird der Bereich um das Hoeschmuseum und das alte Verwaltungsgebäude. Der Platz vor dem Hoeschmuseum teilt das Quartier in einen nördlichen Bereich mit Dienstleistungen/ Forschung und den südlicheren Bereichen mit neuen Wohnquartieren. Die Nordstadt wird durch Hoeschpark, den neuen Thyssenpark und den Parkbereich der Wallanlage komplett von Grünanlagen umfasst, fingerartige Park- und Platzflächen schaffen die Verbindung zum äußeren Grün und eine Verbesserung der Wohnqualität.

Parzellen- und Bebauungsstruktur | Die Parzellenstruktur der Gebiete 1, 2 und 3 ist flexibel, nutzungsneutral und prozessorientiert. Ausgangspunkt für die bauliche Struktur ist der Grundtypus einer Logistikhalle, mit einem Grundraster von 25 m x 25 m. Es entstehen Hallen mit einer Breite zwischen 75 m und 125 m und einer Länge bis zu 500 m (bis zu 62.500 m² BGF). Die Hallen sind mit Ihrer Schmalseite zu der dreieckigen Erschließungsstraße ausgerichtet. Dort werden auch die Büroflächen angeordnet, die für ein geschlossenes städtebauliches Bild sorgen und somit zur Adressbildung des gesamten Gebietes beitragen.

Verkehrskonzept – MIV | Entsprechend zu der Entwicklung des Planungsgebiets wird in drei Stufen die dreieckige Erschließungsstraße direkt um das Werksgelände herumgelegt. Nach Abschluss der Entwicklung von Gebiet 4 kann die Springorumstraße im Bereich des Parks zurückgebaut werden. Das stärkt die Grünverbindung und verhindert unnötigen LKW-Verkehr in der Nordstadt. Nördlich der Springorumstraße wird mit der Erschliessung des Entwicklungsgebietes 2 eine Werkstrasse für den internen Werksverkehr gebaut, die die interne Verbindung zum Reststofflager ermöglicht.

ÖPNV | Die bestehende Stadtbahnlinie endet bisher am Werkstor von ThyssenKrupp. Am nördlichen Rand der Springorumstraße wird deshalb ein 6 m breiter Streifen vorgehalten, um die Stadtbahn bis zum ehemaligen Werkseingang Ost zu verlängern. In einem weiteren Schritt wird die Stadtbahnlinie am westlichen Rand der Rüschebrinkstraße bis zum Bahnhof Kirchderne weitergeführt.

Bahn Güterverkehr | Das neue Logistik- und Gewerbegebiet ist vollständig an den Schienenverkehr angebunden, so dass alle Parzellen an die Schiene angeschlossen sind. Während die Erschließungsstraße am inneren Rand des Planungsgebiets verläuft, sind die bestehenden Bahngleise am äußeren Rand angeordnet. Beide Netze sind im Bereich der Logistikhallen kammartig überlagert, so werden störende Kreuzungspunkte von Strasse und Bahn vermieden.

Radwege | Innerhalb des Grünräumkonzepts, das sich ringartig um Nordstadt und Logistikgebiet legt werden Radwege geführt, die sich in das vorhandene Radwegenetz von Dortmund integrieren. Die Radwege entlang der dreieckigen Erschließungsstraße bilden einen inneren Ring, der an mehreren Stellen Verbindungen zum äußeren Grünring hat.

Mitarbeiter

Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein

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