D-Berlin
Masterplanung Campus Physik.-Techn. Bundesanstalt

eingel. städtebaul. Gutachterverfahren 2009
Größe: 4,0 ha
Auftraggeber: BBR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung | PTB Berlin

Programm

Site-Masterplanung des historischen Forschungsareals der PTB am Ernst-Reuter-Platz
Neustrukturierung, Freiraumplanung, Integration der historischen Bausubstanz, Institute,
Labore, Veranstaltungszentrum, Bibliothek, Casino

Städtebauliche Leitidee | Zwei Campusteile unterschiedlicher Couleur und Konzeption formulieren einen Wissenschaftscampus aus Straßenblock und Parkquadrant. Dabei spielt das Gestaltungsprinzip der Gegensätze in der Stadtbaukunst eine übergeordnete Rolle. Geschlossen und offen, Solitäre im Park und Blockrand, Zeile und Einzelgebäude, landschaftlich durchgrünt und steinern urban. Die heutige Situation des Stammgeländes zwischen Abbestraße und Marchstraße spiegelt noch in großen Teilen die wertvolle, gut erhaltene Situation des von Astfalck entworfenen Wissenschaftsparks aus dem 19.Jh. wieder. Die Verfasser bekennen sich klar zu diesem historischen, städtebaulichen Kleinod mitten in der Metropole Berlin und verfolgen das Ziel die Anmut dieses ehemaligen Gebäude-Park-Ensembles bestmöglich wieder herzustellen. Dies soll mit einfachen Mitteln geschehen, ohne Gedanken an eine banale Rekonstruktion des Urzustands. Der Berlin prägende Begriff der „Kritischen Rekonstruktion“ soll hier eher Leitbild sein. Solitäre im Park war das Astfalcksche Konzept. Dies soll zurückgeführt werden. Dabei geht es einzig darum, sensibel die Aura des Parks in seiner Schönheit mit neuen, funktional benötigten Solitärbauten an historischer Stelle wieder erlebbar zu machen, um somit eine einzigartige Adresse für die Physikalische-Technische-Bundesanstalt in Berlin zu formulieren. Die fragmentarisch vorhandene Blockstruktur des Erweiterungsgeländes zwischen Abbestraße und Kohlrauschstraße wird zu einem klaren Block im Bereich von der Abbestraße, Guerickestraße und in Teilen der Fraunhoferstraße arrondiert. Der denkmalgeschützte Hermann-von-Helmholtz-Bau, als ehemaliges Sozial-Museum, stellt sich adäquat wie eine vom Block freigestellte industrielle Solitärarchitektur des 19.Jh dar, bleibt aber Teil des Blocks. Die neu entstandene, westliche geschlossene Zeile zur Abbestraße bietet nun den östlichen Solitärbauten der Abbestraße ein gegensätzliches Gegenüber. Die historischen Solitäre werden gestärkt. Der Försterbau findet mit seinen beiden „Brandwänden“ und seinem typischen berlinerischen Hinterhofannex seine entsprechende Integration in eine Blockrandstruktur. Große Torsituationen in den Block schaffen die Verbindung der beiden Campushälften. Die Abbestraße wird von einer typischen Blockstraße zu einem verbindenden Straßen-Platzraum.

Freiflächenkonzept | Die Gestaltung der Freiflächen spiegelt die unterschiedliche städtebauliche Behandlung der beiden Quartiere – geschlossener Block und Solitäre im Park wieder. Die Abbestraße als verbindendes Element behält auf den ersten Blick ihren quartiersgliedernden Blockstraßencharakter. Durch die barrierefreie Erhöhung der Fahrbahn auf Bordsteinniveau, durch Markierungsintarsien oder belagsbündige Baumscheiben wandelt sie sich in der Binnenwirkung zwischen den beiden Quartieren der PTB zu einem verbindenden Platzraum. In seiner Materialität mit Granitplatten. Mosaikpflaster und Granitgroßteinpflaster greift er die traditionellen Materialien auf. Grüne, umschlossene und jeweils individuell gestaltete Hofbereiche prägen die Freiräume des westlichen Blocks. Der südliche Hof präsentiert sich mit seinem von Plattenstreifen in unterschiedlicher Dichte durchwirkten Rasenteppich als Hybrid zwischen Platz und Garten und erlaubt so eine flexible Nutzung dieses Bereiches mit einer hohen Aufenthaltsqualität. Solitäre im offenen Park prägen den östlichen Quadranten. Schmale Parkwege führen in die Tiefe und laden zum Schlendern im Grünen ein. Der vorhandene, wertvolle Baumbestand wird freigestellt und umspielt zukünftig locker die Bauten. Ein weiter offener Rasen spannt sich verbindend zwischen der einfriedenden Mauer. Eingelegt finden sich zwei rasenbündige Wasserspiegel als reizvoller Blickfang für Spazierende und Betonung der Mitte des Parks. Die Neuorganisation des Geländes eröffnet die Möglichkeit, Ressourcen und Kosten sparend anfallendes Regenwasser kontrolliert zu fassen, vor Ort zu versickern oder in Zisternen z.B. für die Parkbewässerung zu sammeln. In den Höfen wird die Sammlung – z.B. mit Rinnen oder kleinen Spiegelbecken  -  im Patchwork bzw. den Plattenlinien gestalterisch inszeniert.

Technikkonzept | Grundsätzlich ist die zentrale Kältetechnik und Stromversorgungstechnik in der Fraunhoferstraße verortet. Die vorhandene Powerstation ist g abgängig und wird in den neu zu errichtenden Eckbaukörper integriert.

Zentrale Kälteerzeugung | Kälteerzeugung in einer Kältezentrale im Untergeschoss mit Rückkühlwerk auf der Dachfläche des Erweiterungsbaus an der Fraunhoferstraße. Die Kälteerzeugung gliedert sich in Klimakaltwasser (z.B. RLT-Kühler, Kühldecken), Laborkaltwasser (z.B. Laserkühlung), Prozesskühlung (z.B. Temperaturprüfstrecken). Als Kälteerzeuger angedacht sind dabei Kompressionskältemaschinen.

Absorptionskältemaschine | Die im Sommer überschüssige Wärme (Fernwärme ca. 100°C Vorlauftemperatur) eines Kraftwerkes wird genutzt, um damit einen Kälteprozess zu betreiben.

Mitarbeiter

Dirk Brandau, Marc Steinhoff, Claudia Beschow

Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein

  • Kontakt

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