D-Marburg
Martin-Luther-Schule und Erweiterung der Stadthalle

Wettbewerb 2006, 5. Preis
Größe Schule: BGF 3.520 m² Invest Schule: 5,2 Mio. EUR
Auftraggeber: Magistrat der Universitätsstadt Marburg

Programm

Neubau und Erweiterung eines Gymnasiums, Erweiterung der Stadthalle

Integration in die Stadtstruktur Der Erweiterungsbau ist ein eigenständiger wie integrativer Baukörper zwischen Stadthalle und Ernst von Hülsen Haus. In seinem polygonalen Habitus ergänzt er selbstverständlich die in verschiedenen Zeitstufen entstandene städtebauliche Figur der Martin Luther Schule und führt diese konsequent nach „vorne“ an die Biegenstrasse.

Mit seiner Fassade aus rot gefärbten großformatigen Betonplatten nimmt er deutlichen Bezug auf die traditionelle Verwendung von Buntsandstein in Marburg und steht mit seiner monolithischen Typologie stadträumlich souverän zwischen Halle und Museum.

Genese des Baukörpers | Der konsequent städtebaulich und funktional entwickelte Baukörper schafft eine Abfolge von Räumen unterschiedlicher Intention und Qualität. Der Erweiterungsbau lehnt sich selbstbewusst und zeichenhaft in die Biegenstraße vor und repräsentiert die Schule am neu gestalteten Biegenplatz. Es entsteht ein Ensemble aus Stadthalle, Schule, Universität mit Audimax und Kirche.

Stadthalle und Erweiterungsbau formulieren zusammen für die Martin Luther Schule eine neue, weitere Zugangssituation zur Schule vom neu gestalteten Biegenplatz.

Zum eigentlichen Schulhof wird ein größtmöglicher Abstand zur Stadthalle generiert, um so möglichst viel Fläche zur Erweiterung des Schulhofs und einen weiteren Raum mit eigener Qualität zu schaffen. Dieser neue Raum ist quasi eine Art Cortile, der die Schüler dazu einlädt, im Sommer bei schönem Wetter hier ihr Mittagessen einzunehmen. Hier leitet der neue Baukörper in die bestehende städtebauliche Figur des Bestands über. Hier verbinden sich Neu und Alt. Die architektonische Geometrie des Baukörpers in seinem Aufriss schafft zwischen Stadthalle und Ernst von Hülsen Haus einen Zwischenmaßstab und überwindet so die großen Höhenunterschiede zwischen beiden. Die Dachfläche des Baukörpers wird analog der Fassaden ausgebildet. Beim Blick aus der Marburger Oberstadt wird der neue Bau so zu einem neuen, prägnanten, auch von oben ästhetisch einwandfreien Baustein im Marburger Stadtgefüge.

Neugestaltung des Biegenplatzes | Die Biegenstraße wird auf eine Fahrspur reduziert, so dass ein großzügiger Platzbereich vor der Stadthalle entsteht. Über die Biegenstraße hinweg wird ein Platz gestaltet, der Stadthalle, Martin Luther Schule, Audimax und Kirche zu einem neuen städtebaulichem Ensemble verbindet. Durchgehender Bodenbelag in Form von großformatigen Sichtbetonplatten, Lichtstelen und Baumreihen lassen einen Raum entstehen, der dem Stadtteil einen neue städtebauliche Qualität und Identität verleiht.

Schulhof der Martin Luther Schule | Form und Anordnung des polygonalen Baukörpers maximiert die nutzbare Schulhoffläche. Durch die städtebauliche Fortführung der Schule und die bewusste Gestaltung des Höhenunterschieds vom neuen zum alten Hofteil mit weiten, flachen Stufen entsteht ein räumliches Kontinuum das sich um den begrünten Stadthallencorpus legt. Trotz des städtebaulichen Konzepts bleibt zwischen Bestand und Neubau eine Lücke, die den Blick von der Savignystrasse zum Park des Ernst von Hülsen Hauses inszeniert. Das neue Magazingebäude mit Anlieferung ist auf der Nordseite der Stadthalle als einfache, eigenständige und architektonisch qualitätvolle „Box“, bewusst markant und sichtbar angeordnet, so dass die Schulhoffläche auch in Zukunft nicht verkleinert werden muss.

Erweiterung der Martin Luther Schule | Im Erdgeschoss des neuen Erweiterungsbaus befinden sich Restaurant, Küche und Cafeteria. Das Restaurant orientiert sich mit seinen Gastbereichen zum Eingangsbereich der Stadthalle und zum Biegenplatz. Die Cafeteria liegt direkt am Schulhof und öffnet sich sowohl zum Park des Ernst von Hülsen Hauses als auch zur neu geschaffenen Schulhoffläche. Sie kann von den Schülern vom Schulhof auch direkt erschlossen werden.

In den Obergeschossen befinden sich Fach- und Klassenräume. Die Struktur des Baukörpers lässt die Räume im östlichen Teil möglichst nah am Park liegen. Im westlichen Teil hält der Baukörper einen größtmöglichen Abstand zum Ernst von Hülsen Haus und ermöglicht damit auch in diesem Teil der Schule qualitätvolle Klassenräume mit Ausblick in einen neuen Gartenbereich. Die breiten Verkehrsflächen dienen als Aufenthalt in den Pausen, Kommunikationsraum und quasi „Wohnzimmer der Schüler“. Große Fenster lassen den Blick auf Schulhof und Biegenplatz zu. An der Engstelle zwischen den beiden Baukörpern schafft eine Glashalle als Membran die kontrollierte Verknüpfung der gemeinsamen Funktionen von Schule und Stadthalle. Sie ist Eingang in den Erweiterungsteil, Durchgang zum Schulhof und Verbindung zwischen Saal und Küche, Foyer und Musikräumen und zwischen Foyer und Restaurant.

Umgestaltung der Stadthalle | Das Foyer im 1. Obergeschoss wird als Schaukasten mit Blick auf das Marburger Schloss und die Oberstadt inszeniert. Die Gestaltung des Foyers als „Diarama“ zum Schloß und zur Oberstadt schafft eine besondere Beziehung zur Stadt. Es entsteht ein großes, überdimensionales Landschaftsbild. Stadt und Veranstaltungsort werden eine Einheit. Das Diarama ermöglicht den Austritt ins Freie auf einen Balkon über die gesamte Länge des Foyers. Dadurch entsteht eine neue, offene wettergeschützte Eingangssituation zur Stadthalle.

Im Erdgeschoss werden alle Nebenräume an die hintere Saalwand gerückt, so können die Außenwände zum Biegenplatz komplett verglast werden. Bei Dunkelheit entsteht so eine leuchtende und repräsentative Anmutung der „neuen“ Stadthalle. Der Kleine Saal wird über einen Foyerbereich an der Südfassade erschlossen. Im EG entsteht ein Aufenthaltsbereich, der außerdem eine qualitätvolle Verbindung zu Restaurant Cafeteria und Musikräumen ermöglicht. Eine Wandscheibe aus schwarzem Marmor verbindet EG und Foyer. Gleichzeitig ermöglicht die Scheibe die räumliche Trennung von EG und Foyer für eine separate Nutzung.

Grünfassade | Die Idee einer Grünfassade ist konzeptionell und kostengünstig. Sie ermöglicht eine schnelle Umsetzung mit einfachen Mitteln. Auf die bestehenden, nachträglich dunkel beschichteten Waschbetonplatten werden Stahlrahmen mit Edelstahlgeweben als Rankgerüste verankert. Schnellwachsende und immergrüne Pflanzen lassen einen grünen Körper entstehen, der dem Schulhof einen ganz außergewöhnlichen „Naturbezug“ bietet. Die Fassade des Bühnenturms wird nach dem gleichen Prinzip mit dichterem Edelstahlgewebe verkleidet, bleibt aber unberankt wird so „strahlender“ Bezugspunkt im städtebaulichen Gefüge. Der Versuch einer Retusche würde fehlschlagen, daher sollte man ihn, umgekehrt gedacht, eben sehr deutlich machen. Auch das Diarama wird mit Edelstahlblechen verkleidet und entwickelt so eine große Zeichenhaftigkeit am Biegenplatz.

Mitarbeiter

Ralf Herkrath, Jan Holzhausen, Lorena-Tiziana Vacirca, Benyang Gong

  • Kontakt

    SPAP
    Architektur Stadt Landschaft
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