D-Gummersbach
Firmenzentrale Ferchau Group

Wettbewerb 2007
Größe: HNF 1.608 m², BGF 2.354 m²
Auftraggeber: FerchauGroup Gummersbach

Städtebau | Die Gebäudekonzeption respektiert einerseits innerhalb der Rahmenplanung für das ehemalige Steinmüllergelände alle Vorgaben und Richtlinien, schafft darüber hinaus gerade aber auch klare städtebauliche wie außenräumliche Qualitäten, die sich aus Aufgabenstellung generieren lassen.

Der Neubau schlägt eine Hofsituation vor, die sich sowohl zum geplanten Platz im Süden, zur Fachhochschule und zur Steinmüllerallee öffnet, als sich das Haus auch deutlich über die Eingangshalle zum geplanten Park (EXPO) öffnet und einlädt.

Es entsteht eine Durchwegung zwischen Atrium und Park. Diese Durchwegung wird mit gestalterischen Mitteln der Garten- und Landschaftsplanung deutlich unterstrichen. Der Entwurf wird damit dem Grundgedanken des Verfassers der städtebaulichen Planung vollumfänglich gerecht.

Das Atrium schafft einen technisch wie gestalterisch hochqualitativen Garten- und Eingangsbereich, der mit den vorgeschlagenen Gestaltungsmitteln, ohne jede „Eitelkeit“ und jeden „Machtanspruch“ den Nutzer wie Besucher auf angemessen repräsentative, wie schöne Weise, vorbei am seerosenbedeckten (Regen)-Wasserbecken, in das Gebäude geleitet.

Der Entwurf lässt sich exakt in einem doppelten S-Modul von zweimal 32 Metern realisieren.

Architektur | Analog der firmeninternen Leitbilder moderner Transparenz und Offenheit, Flexibilität, Stärke und Dynamik sowie Klarheit und Verbindlichkeit haben wir eine Architektur vorgeschlagen, die eben diese Charakterzüge deutlich zum Ausdruck bringt, ohne dies plakativ eindimensional und oberflächig zu versuchen, sondern ganz im Sinne nachhaltiger, substanzieller Architektur.

Transparent und Offen ist die innere Organisation der Bürogrundrisse, diese flexibel veränderbar und gestaltbar. Transparent und offen sind die Fassaden, ohne bei derartiger Anforderung den „üblichen Glaspalast“ darzustellen. Transparent und offen ist vor allem die Anmutung der städtebaulichen Figur des Hauses mit seinem Atrium zu Platz und FH als einladende Geste, sowie die offene Eingangshalle als transparenter Raum zwischen Park und Atrium.

Stark und Kraftvoll ist die Struktur und Architektur der Fassaden trotz ihrer gleichzeitigen Transparenz. Die schwere Sichtbeton-Rahmenstruktur vor den eigentlichen Glasfassaden dominiert die Architektur und gibt dem Haus Substanz und eine gewisse Unvergänglichkeit.

Flexibel ist die gesamte innere Grundriss- bzw. Ausbaustruktur, die mit einer „cobiax“-Flachdeckenstruktur sogar stützenfrei, und damit gänzlich frei von tragenden Strukturen wäre. Flexibilität, Organisations- und Gestaltungsfreiheit in seiner höchsten Potenz. Dynamik ist die auf Veränderung gerichtete Kraft. Eben diese Veränderung schafft die hochflexible, dynamisch veränderbare, den Bedürfnissen jederzeit anpassbare innere Raumstruktur.

Klarheit spricht an dieser Stelle für sich. Das Haus ist so klar und einfach in seiner Struktur, Materialhaftigkeit und Anmutung, wie es kaum klarer sein kann. Es strahlt große Ruhe aus. Aus dieser Ruhe entspringt die ganze Kraft und Souveränität der FerchauGroup.

Verbindlichkeit ist hier das Resultat der Gestaltungs- und Konstruktionsparameter, das Ergebnis „Architektur“. Diese eher im Sinne von „handfest“, modern und zeitgemäß, eben „verbindlich“ – sicher aber nicht modisch oder oberflächlich.

Atmosphäre und Aufenthaltsqualität sind weitere Parameter, die entscheidend zum Mehrwert substanzieller Architektur beitragen. Das optisch durchlaufende Regenwasserbecken in der Eingangshalle trägt hierzu bei. Die beiden Wintergärten als Treffpunkte oder Rekreationsorte für Mitarbeiter, ebenso wie die schmalen Loggien, die sowohl „Fensterputzbalkone“ und permanenter Schutz vor zuviel Zenitlicht am Computerarbeitsplatz und vor allem aber Austritt und „Sauerstoffschub“ für die Nutzer sind, haben entscheidenden Einfluß auf die Wohlfühl-Atmosphäre aller Nutzer.

Diese Architektur, zusammen mit ihren Außenbezügen und Gartenbereichen strahlt durch Ihre Klarheit, Großzügigkeit und Selbstverständlichkeit Ruhe, Atmosphäre und Schönheit aus. Das wird sich positiv auf die Nutzer – die Mitarbeiter der FerchauGroup auswirken.

Auf einen plakativen, meist wenig überzeugenden Versuch, die Inhalte eines Unternehmens in der Architektur sichtbar zu machen, ist bewusst verzichtet worden.

Die Materialien | Folgerichtig aus Typologie, Struktur und Entwurfsgedanken ist unser Vorschlag, das Gebäude optimaler Weise als qualitätvolle Sichtbetonkonstruktion zu realisieren. Diese sehr hell, mit viel weißen Portland-Zement- Zuschlägen, nicht unbedingt grau. In dieser Materialhaftigkeit würde, an der wiederum prominenten Stelle am Platz des Areals, ein eigenständiger Bau entstehen, der mit der FH ein schönes Ensemble eingeht und die FerchauGroup selbstbewusst, aber nicht „laut“ repräsentiert.

Denkbar ist ebenso eine schwarz-anthrazit oder alu-silber farbene Metallverkleidung der Fassaden.

Aufgelockert wird die rigide Struktur der Fassaden durch farbige Sonneschutzsysteme, die bestenfalls sogar großzügige, schlichte Markisen sein können, die aus der Tiefe der Fassade hervorkommen und den entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Sonnenschutzsystemen haben, dass der Nutzer weiterhin „gucken“ kann und nicht durch Netzgewebe oder Lamellen nur noch Schemen des Draussens erkennt.

Im Inneren sind leichte Trennwandsysteme mit vielen Glasanteilen vorgeschlagen. Die Eingangshalle wird dominiert vom optisch durchlaufenden Regenwassersammelbecken, dass deutlich zum positiven Kleinklima im Gebäude beitragen wird.

Gebäudetechnik | Moderne Gebäude, die heutigen und zukünftigen Ansprüchen genügen sollen, benötigen bauphysikalisch optimierte und gleichfalls ökologische wie ökonomische Energiekonzepte.

Die „Intelligenz“ solcher Gebäude zeigt sich im Umgang zwischen Raumbildung, Bauphysik und technischer Gebäudeausrüstung, auf der Basis von Simulationen und iterativen Planungsprozessen.

Die o.g. Ziele sind der Nutzbarkeit des Gebäudes im Sinne der Wettbewerbsaufgabe nachgeordnet. Die gewünschte Nachhaltigkeit der Immobilie lässt sich jedoch nur erreichen, wenn „Intelligenz“ des Gebäudes und „Nützlichkeit“ des Gebäudes einem Optimum zugeführt werden.

Die Betondecken werden hierzu mit einem Rohrregister ausgerüstet, in dem Wasser als Wärmeträger zirkuliert. Durch die große Heizfläche der unverkleideten Flächen und durch die gute Wärmedämmung des Gebäudes reichen bereits Wassertemperaturen von max. 26° C aus, um den Wärmebedarf der Räume abzudecken.

Grundsätzlich könnte ein Bürogebäude auch so optimiert werden, dass überhaupt keine Fremdwärme zur Beheizung notwendig wird, weil die innere Abwärme von Personen, PC’s und Beleuchtung ausreichen könnte, um ein hoch gedämmtes Gebäude im Behaglichkeitsbereich zu halten.

Da die Problematik von modernen Bürogebäuden aber eher im Kühlfall liegen und der Erdreichspeicher im Winter entwärmt werden muss, damit er im Sommer kühlen kann, ist ein moderater Wärmebedarf im Winter gesamt energetisch vertretbar.

Das System der Bauteilaktivierung (Betondecke mit Rohrregister) ermöglicht zusätzlich die Kühlung von Räumen, ohne den Einssatz von Kältemaschinen mit ihrem hohen Bedarf an elektrischer Energie.

Zur Kühlung wird im Sommer der durch die Energiepfähle entwarmte Untergrund genutzt.

Das Kühltemperaturniveau von 12° bis 16° C reicht für die Bauteilaktivierung vollständig aus, um maximale Raumtemperaturen von 26° C zu gewährleisten.

Die im Sommer beim Kühlprozess eingespeiste Wärme regeneriert den Bodenspeicher sehr intensiv für den kommenden Winterbetrieb, wo ja erneut Wärme zum Heizen entzogen werden soll.

Der unter dem Gebäude liegende Erdreichspeicher stellt somit sowohl Wärme als auch Kälte vollständig aus regenerativen Quellen zur Verfügung. Lediglich der Transport der Wärme (Pumpenstrom) und das Anheben auf brauchbare Temperaturen zum Heizen im Winter (etwa 1 kWh Strom für 5 kWh Wärme) benötigen elektrischen Strom, der jedoch auch regenerativ erzeugt werden könnte.

Damit wäre die gesamte Beheizung und die Kühlung der Räume mit geringsten CO2-Emissionen nachhaltig realisierbar.

Belüftung von Arbeits- und Aufenthaltsräumen sollte, wenn irgend möglich, über öffenbare Fenster erfolgen. Hiermit ist eine große Nutzerakzeptanz ohne den Einsatz von Transportenergie (Ventilatoren) möglich.

Da jedoch bei einer rein natürlichen Lüftung einige Ziele wie:

-   Wärmerückgewinnung

-   Behaglichkeit bei tiefen und hohen Außentemperaturen

-    Nachhaltigkeit

nicht oder nur zeitweise erreicht werden können, sollte das Gebäude mit einem „hybriden“ Lüftungskonzept ausgerüstet werden.

Wir verstehen darunter, dass Räume, in denen die oben genannten Ziele mit rein natürlicher Lüftung nicht oder nicht ökonomisch erreicht werden können, zusätzlich mechanische Lüftungsanlagen für den Bedarfsfall bekommen.

Der Bedarfsfall ist dabei bei tiefen oder dicht besetzten Räumen gegeben, und immer dann, wenn die Außentemperaturen zu nicht tolerierbaren Wärme oder Kälteverlusten führt.

Im Winter bei Temperaturen unterhalb 5° C ist der Wärmeverlust bei natürlicher Lüftung nicht mehr tolerierbar. Hier sind zentrale Lüftungssysteme mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung ressourcenschonender und wirtschaftlicher.

Gleiches gilt im Sommer bei Außentemperaturen über 24° C. Mit dieser warmen Außenluft wird das Kühlproblem von Bürogebäuden verschärft. Es ist auch hier wirtschaftlicher, die Luft zentral vorzukühlen und dem Raum auf einem moderaten Temperaturniveau zur Verfügung zu stellen.

Kosten | Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich geklärten Wünsche des Bauherrn und den tatsächlichen baulichen Erfordernissen, ist eine Kostenaussage nur unzureichend zu treffen.

Der vorliegende Entwurf ist, wie jeder andere Entwurf auch, ohne „sichtbare“ Veränderungen immer in einer Kostenspanne „von/bis“ realisierbar. Die „unsichtbaren“ Kostenverursacher/ einsparer liegen in der Technik, in geschickten Konstruktionen oder im Ausbau, die erst während der tatsächlichen Planung zum Tragen kommen.

Aus unseren Erfahrungswerten gehen wir daher zum heutigen Zeitpunkt von einem BGF-Wert zwischen

ca. 1.100 €/m² und 1.400 €/m² aus, was einem NF-Wert von ca. 1.750 €/m² bis 2.100 €/m² entspricht.

Für den vorliegenden Entwurf nehmen wir die Kosten 300 und 400 aufgrund einer einfachen Konstruktion und Fassade, integrierten ausbauschwachen Lagerflächen, aber einer effizienten, hochmodernen Haustechnik, an dieser Stelle vorerst mit einem mittleren Wert an.

Das entspricht ca. 1.250 €/m² BGF bzw. ca. 1.975 €/m² NF.

Mitarbeiter

André Boucsein, Benjamin Bebiolka, Katrin Scharschmidt, Christian Pflug

  • Kontakt

    SPAP
    Architektur Stadt Landschaft
    BDA DASL

    Postfach 100808
    D-44008 Dortmund