D-Bochum
Bürogebäude Cymed AG

Baubeginn 2000 | Fertigstellung 2002
Größe:
BGF ca. 1218,71 m² | BRI 3.311 m³
Kosten: 1,1 Mio. Euro
Auftraggeber: Cymed AG

Programm

Neubau eines Bürogebäudes

„Drei + eine Fassade”

Architektonisches Konzept | In einem „Allerweltstechnologiepark“, war ein kleines, schmales Eckgrundstück in einer Straßenkurve übrig. Da es ein Restgrundstück war, das niemand haben wollte aufgrund seiner vermeintlich unwirtschaftlichen Grundstücksausnutzung, war es sehr günstig zu erwerben. Aber gerade die städtebauliche Situation, mit südlich gegenüber liegenden Naturschutzgebiet, am Waldesrand mit unverbaubarem Blick, großer Dynamik durch seine Kurvenlage, lag die Qualität dieser Parzelle. So erschien alles eher als glückliche Fügung. Das Grundstück selbst ließ dann auch schnell das architektonische Konzept entstehen:

„Drei + eine Fassade“ – abgrenzen, sich verschlossen zeigen nach Norden, Osten und Westen, überall dort, wo der Blick für die Nutzer aus dem Gebäude wenig Erfreuliches bietet und öffnen nach Süden zum Wald, zur Landschaft mit einer repräsentativen, gleichzeitig strengen Fassade und ausschließlich raumhohen Fenstern. Von großer Wichtigkeit war überzeugend die städtebauliche Ecksituation und Eingangssituation zu definieren. Tatsächlich ist es gelungen, dass fast alle Mitarbeiter den Blick in den Wald genießen.

Drei Fassaden aus Stein, in einem dunklen, „schwarz-blau-rotem“ dünnformatigen Ziegel im Läuferverband und eine Fassade aus „ochsenblut-rotbraunem“ Putz, Travertin und Sichtbeton als Komposition aus vertikal geschichteten Ebenen innerhalb eines horizontal verlaufenden und nur in den Gebäudeeckbereichen vertikalen, weißen Putzrasters, formulieren die vier Seiten des Bauwerks und dessen prägnante Staffelung.

Die steinernen Fassaden, der monolithischen Rücken sind geschlossen mit kleinen Fenstern und bandartigen Schlitzen und extrem tiefen Laibungen, um eine große Plastizität zu erzielen und bewusst das Thema des Verschlossenen zu erzeugen. Die Fenster selbst treten in den Hintergrund, verstärkt durch das Konstruktionsdetail, dass sämtliche Blendrahmen von außen unsichtbar sind. Die Flügel sind schwarz-anthrazit gestrichen und ebenfalls kaum erkennbar. Was somit plastisch und konkret wird sind die eigentlichen Öffnungen. Der Eindruck des Schweren ist gewollt. Die Staffelungen, die deutlich die Kurve der Straße und die besondere Lage des Gebäudes definieren sind nach Osten gänzlich geschlossen und bilden 10 m hohe, vom weißen Putzraster gerahmte, ruhige Ziegelflächen.

Die südliche „Palazzofassade“, wie sie schnell die Bezeichnung im Büro erlangte, ist eine Komposition aus Putz, Travertin, Sichtbeton und Glas, behandelt das Thema der Repräsentativseite. Analog historischer Bauten, die oft eine sogenannte „Schmuckfassade“ besaßen, deren einziger Sinn war, mit ihrer Schönheit zu repräsentieren.

Hier zeigt sich der Bau zur Landschaft und zur Straße offen, ohne gläsern zu sein, streng in seiner Teilung und selbstbewusst. Die Struktur des Fassadenreliefs mit seinen fünf unterschiedlichen Ebenen ist das vorherrschende Gestaltungselement. Dessen rigide, unendlich wiederkehrende Vertikalstruktur schenkt dem Gebäude Tiefe und Plastizität. Die extreme Vertikalität verkörpert auch eine Analogie und Metapher zur Struktur des gegenüberliegenden Waldes. Die Vertikalität der Baumstämme war hier bezeichnend. Durch Farbe und Lage sind die signifikantesten dieser Fassadenebenen glatt gefilzte mineralische Putzflächen mit 0,5er Körnung, jeweils als Wärmedämmverbundsystem ausgeführt, ochsenblutrotbraun und weiß.

Der hohe Eingang des Baus, das Raster der Südfassade noch einmal über die gesamte Gebäudehöhe verlängert, definiert klar und unmissverständlich, dass der Bau von hier erschlossen wird und Beginn oder Ende des Staffelthemas ist. Betritt man die Eingangshalle durch die weiße Holztür erschließt sich dem Besucher ein expressives Raumerlebnis.

Die Halle, direkt hinter der Tür fast 10 Meter hoch und nur 1,50 m breit, verändert sich streng geometrisch einem Raster folgend, von Ihrer Dreigeschossigkeit über eine Zweigeschossigkeit und schließlich zu einer Eingeschossigkeit – bei identischer Entwicklung in ihrer Tiefe. Das, was das räumliche Konstrukt in der Höhe abnimmt, nimmt es in der Tiefe zu. Der Blick von innen nach außen kann ausschließlich in die Bäume streifen. Der gegenüberliegende Wald wird über 6 große, fast quadratische Fenster nach Süden, Teil der Halle.

Mitarbeiter

Frank Schlemminger, Wilhelmine Schütte, Hung-Quoc Truong, Ulrike Witt

  • Kontakt

    SPAP
    Architektur Stadt Landschaft
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    Postfach 100808
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