D-Kamp-Lintfort
Masterplanung Bergwerk West “Friedrich Heinrich”

städtebauliches kooperatives Verfahren, 1. Preis
Realisierung geplant ab 2014
Größe: 39,8 ha
Auftraggeber: Stadt Kamp-Lintfort

Programm

Konversionsfläche des Zechengeländes Bergwerk West
Wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Kultur, Einzelhandel

Leitidee – „Der Tanz der Goorley – Rückgrat von Friedrich Heinrich“ | Ein Wassermäander aus Kanälen und Becken verschiedener Bildhaftigkeit, reiht flexibel bespielbare Cluster und Quartiere unterschiedlicher Funktion und Nutzung selbstverständlich und locker wie Perlen auf und bildet eine robuste Struktur mit attraktiven Binnenräumen und einem großen Landschaftspark.

Städtebau | Klare, flexible Einzelcluster, die locker mit dem Übergang in den großen Park spielen und selbst hin und her „tanzen“ definieren die städtebauliche Hauptstruktur. Unprätentiös wird der vorgegebene Parkplatz an der wichtigen Nahtstelle zwischen Bergwerksfläche und Innenstadt integriert. Eine Wasserfläche führt deutlich als „Fingerzeig“ auf den wichtigen neuen Knotenpunkt des Bahnhofs und schafft eine entspannte Verbindung zwischen City und Areal. Eine Allee entlang der großzügigen Wasserfläche führt durch eine städtebauliche Torsituation direkt in den ersten Cluster der Bergwerksfläche. Stadt und Areal sind verbunden.

Der Bahnhof als archaischer Einraum, hat plastische Kraft, um Dreh- und Angelpunkt zwischen City, Hochschule, ehemaliger Bergwerksfläche, Wandelweg und Landschaftspark zu werden und bildhaft den Endpunkt der Niederrheinbahn zu definieren. Die alternierenden Raumkanten der Cluster und Teilcluster bzw. der Quartiere schaffen das lockere Spiel der Übergänge zum Park und verzahnen die große Freifläche des Friedrich-Heinrich-Parks optimal mit der städtebaulichen Struktur. Die östlich der Goorley-Kanäle liegenden Quartiere sollen zeitlich begrenzt als raumbildende „Natur auf Zeit“-Cluster mit schnell wachsenden Gehölzarten bespielt werden. Sie werden Teil des Parks und schaffen einen Puffer zwischen Bebauungsclustern und Landschaftspark. Das vorgeschlagene Konzept funktioniert sowohl mit bebauten Teilclustern zum Park, als nur mit Baumclustern. Städtebauliche „Rumpf“-Konstrukte werden vermieden.

Der Zentralcluster zwischen den beiden Kreisverkehren, bildet den Kernbereich des Areals. Er ist der eigentliche historische „Zechencluster“ mit fast allen denkmalgeschützten Gebäuden, die sich n die neue Struktur integrieren und ein hohes Potenzial an historischen Bezügen und Identität wiederspiegeln. Diese zentrale Clusterstruktur ist funktional durchmischt, jedoch intelligent zoniert. Zwei Quartiersgaragen ergänzen die breite Zechenarchitektur und fangen direkt an den Kreisverkehren große Teile des ruhenden Verkehrs ab. Highlight des Kernbereichs bildet ein Wasserspiegel zwischen Schacht 1 und Park mit einer „Eventinsel“, dem neuen Zentralplatz für Veranstaltungen.

Der Turm über Schacht 1 ist eine seltene und eindrucksvolle Schachtkonstruktion. Er ist der „Kamp-anile“ von Kamp-Lintfort und hat die Kraft weit über das Areal hinaus zu strahlen. Der ältere viel kleinere Schacht 2 dagegen hat ein typisches, filigranes Schachtgestell aus Stahl. Die plastische und skulpturale Wirkung beider Schachtkonstruktionen zusammen, dieses Ensemble von David und Goliath muss zusammen, identitätsstiftend erhalten bleiben! Ohne Türme – kein Flavour!

Das Wohnquartier nördlich des großen Wasserspiegels hat zum Goorleykanal qualitätvolle Kettenhäuser mit direktem Anschluss an den Wasserlauf, sowie nach Osten mehrgeschossige Wohnstrukturen direkt am Park. Nördlich an den Zentralcluster mit Übergang in die Innenstadt, schließt ein Cluster mit vorrangigen Wohnfunktionen an. Eine Platzsituation zur Friedrich-Heinrich-Allee mit Hochpunkt definiert von hier bedeutsam die neue Zugangssituation für den Individualverkehr. Ebenso mit einem Hochpunkt an der Goorley in der Nordostecke des Clusters wird eine Torsituation zur City vorgeschlagen. Herz dieses Nord-Clusters bildet das „Wohn-Palais Friedrich-Heinrich“, eine verschieden bespielbare hufeisenförmige Wohnstruktur mit Ausrichtung auf „Kamp-anile“ und Goorley. Die vorgeschlagenen Strukturen lassen viele Typologien zu. Südlich des Zentralclusters grenzt ein hochflexibler Cluster als Dienstleistungs- und Gewerbehof an. Der Schirrhof –Cluster, liegt eigenständig südlich des von einem Wasserbecken gesäumten landschaftlichen Übergangs zum Hornbuschgraben. Er bildet ein kleinteiliges, mit Grün durchzogenes historisches Bebauungsensemble mit einer üppig gewachsenen Natur. Folglich soll dieser Cluster zurückhaltend mit niedrigen Baukörpern ergänzt werden, die jedoch die indifferente städtebauliche Situation klären. Ziel sind Nutzungen aus Bildung, Forschung, Kultur.

Für den RAG-Parkplatz links der Friedrich Heinrich-Allee wird eine Wohnangerstruktur aus mehrgeschossigem Wohnen zur Friedrich-Heinrich-Allee vorgeschlagen. Nach Westen entsteht eine repräsentative Doppelhausstruktur analog der Beamtensiedlung. Die Kleine Heide könnte, mit qualitätvollen Kettenhäusern bebaut werden, die großzügige Außenräume zum neuen Grünzug mit Hornbuschgraben bilden.

Landschaft | Der neue Landschaftsraum bildet den innerstädtischen Mittelpunkt der Landschaftsinszenierung von Landschaftspark Kloster Kamp, Rossenray und Halde Norddeutschland. Das Areal von Friedrich Heinrich verknüpft und bündelt von hier überzeugend alle 3 großräumigen Landschaftsbereiche. Mit der Transformation eines früheren Industriestandortes und der Etablierung der Hochschule erfährt die Stadt eine zukunftsorientierte Erweiterung. Grünzüge wie Wandelweg, Gartenstadt, Pappelsee und Hornbuschgraben werden durch das Wassermäander aus Gräben und Becken der Goorley ergänzt, die zwischen den Landschaftsräumen vermitteln. Der neue Park versteht sich als eine bespielbare Landschaftsbühne. Der Park wird zur Sicherung der Altlasten mit einer Topographie modelliert, die zu den Clustern großzügig, eine kaum wahrnehmbare schräge Ebene bildet und somit die Bahntrasse geschickt überspielt.

Wassersystem Goorley | Die unterschiedlichen Wassermengen aus Regenwasser, Grubenwasser, Wassergräben und Wasser aus dem Goorley-System werden neu in Wert gesetzt und ästhetisch neu gestaltet. Die verschiedenen Gewässerabschnitte bekommen unterschiedliche Anmutungen im neu entstehenden Stadtquartier. Teilabschnitte bestehen aus bepflanzten Retentionsräumen, sowie aus klar gefassten und geformten Bändern.

Mitarbeiter

Michele Sangiacomo, Ayman Al-Rubaye

Landschaftsarchitekten: Büro Drecker

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